Das Handwerksmuseum Ovelgönne freut sich über eine beeindruckende Schenkung: Eine historische Exzenter-Tablettenpresse aus dem frühen 20. Jahrhundert ergänzt ab sofort die Apothekenecke in unserer Dauerausstellung.
Mit viel Schwung an der Kurbel wurden früher Pulver in handgepresste Tabletten verwandelt. Die mächtige Gusseisenkonstruktion ist nicht nur ein technisches Schmuckstück, sondern auch ein faszinierendes Fenster in die Geschichte der Pharmazie, lange bevor Tabletten industriell in Millionenauflage produziert wurden.
Wie die Maschine funktioniert
Die Presse arbeitet nach dem Exzenter-Prinzip: Die Drehbewegung des großen seitlichen Schwungrads wird über eine Welle auf eine Exzenterscheibe übertragen, die daraus eine gleichmäßige Auf-und-Ab-Bewegung macht. Ein Stempel schnellt nach unten und presst das Pulver in der Matrize zu einer festen Tablette zusammen. Beim nächsten Aufwärtshub wird die fertige Tablette ausgeworfen und in eine Auffangschale geschoben.
Geübte Bedienerinnen und Bediener konnten mit solchen Maschinen mehrere hundert bis zu 1.000 Tabletten pro Stunde herstellen. Das war eine echte Revolution gegenüber dem mühsamen Rollen von Pillen von Hand.
Apothekerinnen und Apotheker als Handwerkerinnen und Handwerker
Vor der Einführung solcher Apparaturen wurden Arzneimittel in Apotheken meist als Pulver, manuell gerollte Pillen oder flüssige Tinkturen abgegeben. Mit kompakten Pressen wie dieser war es erstmals möglich, Tabletten mit konstantem Gewicht, exakter Dosierung und gleichmäßiger Festigkeit direkt in der Apothekenrezeptur herzustellen. Das Apothekenhandwerk war damals weit mehr als das Abfüllen fertiger Präparate.
Technische Kenndaten
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Objektbezeichnung | Exzenter-Tablettenpresse (Einstempelpresse) |
| Typ | Mechanische Einschlag-Presse für Handbetrieb |
| Datierung | ca. 1890 bis 1930 (Spätes Kaiserreich / Weimarer Republik) |
| Einsatzbereich | Apotheken-Laboratorien, pharmazeutische Kleinbetriebe |
| Materialien | Gusseisen (Korpus), Stahl (Mechanik), Messing (Fülltrichter), Holz (Kurbelgriff) |
| Antrieb | Manueller Handbetrieb über seitliches Schwungrad |