Sammlung & Forschung

Tausende Objekte.
Ein Gedächtnis.

Wir sammeln, bewahren und erforschen die Handwerks- und Alltagsgeschichte der Wesermarsch. 11.500 Objekte, offen für alle.

Unser Auftrag

Wir verstehen uns nicht nur als Speicher der Vergangenheit, sondern als aktives und inklusives Gedächtnis der Gemeinde Ovelgönne und der gesamten Wesermarsch.

Als wissenschaftlich geleitetes Museum sammeln wir Werkzeuge, Werkstücke, originale Werkstätten und Dokumente der regionalen Handwerks- und Alltagskultur vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Dabei ist uns eines besonders wichtig: Wir bewahren diese Zeugnisse nicht hinter verschlossenen Türen.

Was wir sammeln, hängt vom aktuellen Stand der Forschung und den gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit ab: unser Bestand ist lebendig, nicht eingefroren.

Unser Ziel ist ein lebendiger Dialog über regionale Identität: gestern, heute und morgen. Wir machen Geschichte begreifbar, erfahrbar und für alle Menschen zugänglich.

Dabei orientieren wir uns an den Grundsätzen des ICOM Code of Ethics: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln bilden den Kern unserer täglichen Arbeit.

Objekte als Zeitzeugen

Das Handwerksmuseum Ovelgönne legt großen Wert auf materialkulturelle und kulturgeschichtliche Aspekte. Was wir sammeln, hängt vom aktuellen Stand der Forschung und den gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit ab.

Seit unserer Gründung führen wir ein lückenloses Verzeichnis aller Objekte. Jedes Stück bekommt eine Inventarnummer und wird nach Material, Kategorie und Alter erfasst. Diese digitale Dokumentation ist die Grundlage unserer wissenschaftlichen Arbeit.

Das Depot und die Remise

Seit 2018 modernisieren wir unsere Museumsdepots. Verbesserte Luftqualität, effektiver Lichtschutz und stabile Temperaturen sichern den langfristigen Erhalt unserer empfindlichen Sammlung: für alle kommenden Generationen.

Mitarbeitende bei der Inventarisierung historischer Objekte

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Was uns täglich leitet.

Vier Kernaufgaben, die unsere Sammlung zu mehr machen als einem Lager alter Dinge, nach den Grundsätzen des ICOM Code of Ethics.

Sammeln

Wir sammeln mit System: Werkzeuge, Werkstücke, originale Werkstätten und Alltagsdokumente aus der Wesermarsch vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Jede Aufnahme in die Sammlung folgt wissenschaftlichen Kriterien und einem klaren Forschungsinteresse.

Bewahren

Klimatisiertes Depot, präventive Restaurierung, lückenlose digitale Inventarisierung: Jedes Objekt erhält eine Inventarnummer und wird nach Material, Kategorie und Alter dokumentiert. So bleibt die Sammlung dauerhaft erhalten, auch für künftige Generationen.

Forschen

Wir erschließen aktiv, was hinter den Objekten steckt: Provenienz, Datierung, handwerkliche Techniken und regionale Bedeutung werden wissenschaftlich erarbeitet. Als Lehrmuseum der Universität Oldenburg entstehen hier echte Forschungsprojekte, die unser Wissen über das Handwerk in der Wesermarsch vertiefen.

Vermitteln

Geschichte, die man anfassen kann: Wir machen unsere Sammlung durch Ausstellungen, Bildungsangebote, wissenschaftliche Kooperationen und digitale Zugänge für alle Menschen erfahrbar, nicht hinter Glas, sondern mitten im Leben.

Schusterkugeln im Ausstellungskontext — Glaskolben und Öllampe im Holzgestell

Die Schusterkugel:
Licht als Werkzeug

Eine mit Wasser gefüllte Glaskugel, die Licht wie eine Linse bündelt. Jahrhundertelang unverzichtbar für feine Handarbeit. Hier kannst du das physikalische Prinzip selbst erleben, mit echten Fotos, einem interaktiven Simulator und einem Quiz.

Jetzt entdecken

Die Schusterkugel:
Physik trifft Handwerk

Eine mit Wasser gefüllte Glaskugel wirkt als natürliche Sammellinse, und filtert gleichzeitig die Wärme der Lampe. Entdecke das Prinzip, erlebe den Simulator und teste dein Wissen.

Interaktiv · Fotos · Quiz
Inventar-Nr.HMO-O/1620
Datierung19. Jh. / Gestell: 20. Jh.
MaterialGlas, Leder, Holz, Metall
TypLichtquelle / Optik
HerkunftWesermarsch

Die Geschichte

Licht fokussieren, Wärme filtern: mit einfachsten Mitteln zum entscheidenden Werkzeug.

Schuster, Uhrmacher und Wissenschaftler nutzten mit Wasser gefüllte Glaskolben, um das schwache Licht von Öl- oder Gaslampen zu einem hellen, gebündelten Strahl zu konzentrieren. Das Wasser wirkt als Sammellinse und filtert gleichzeitig die Wärmestrahlung, sodass empfindliche Materialien wie Leder nicht beschädigt wurden.

Die Entwicklung großer Sammellinsen durch Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und später das elektrische Licht verdrängten die Schusterkugel schließlich. Heute ist sie ein faszinierendes Zeugnis handwerklicher Ingenieurskunst.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Wasser hat einen Brechungsindex von 1,33 (Luft: 1,0). Die runde Form bewirkt eine konvergierende Brechung: Alle einfallenden Strahlen treffen sich im Fokuspunkt auf dem Arbeitstisch.

Gleichzeitig absorbiert Wasser Infrarotstrahlung (Wärme). Handwerker konnten so nah an starken Lichtquellen arbeiten, ohne ihre Materialien zu verbrennen.

Interaktiv erleben

Licht-Refraktions-Simulator

Ziehe die Glaskugel mit der Maus oder dem Finger. Beobachte, wie sie das Licht bündelt.

Bewege die Kugel und beobachte, wie das Licht gebündelt wird.

Das Prinzip in vier Schritten

1
Die Lichtquelle

Eine Öl- oder Gaslampe strahlt diffuses Licht in alle Richtungen. Für feine Handarbeit ist es viel zu schwach und undeutlich.

2
Die Wasserkugel

Das Wasser (Brechungsindex 1,33) bündelt wie eine große Sammellinse alle Lichtstrahlen gezielt in einem gemeinsamen Fokuspunkt.

3
Der Fokuspunkt

Das gebündelte Licht trifft hell und konzentriert auf den Arbeitstisch. Feinste Nähte waren so selbst im tiefsten Dämmerlicht möglich.

4
Der Wärmefilter

Wasser absorbiert Infrarotstrahlung. Das wertvolle Leder und andere empfindliche Materialien wurden nicht durch die Lampenhitze beschädigt.

Teste dein Wissen

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Frage 1 von 3

Warum füllt man den Glaskolben mit Wasser statt mit Luft?

Richtig! Wasser bricht Licht mit Brechungsindex 1,33 deutlich stärker als Luft (1,0) und wirkt so als effektive Sammellinse.
Die Antwort liegt in der Physik: Wasser (Brechungsindex 1,33) bricht Licht viel stärker als Luft (1,0) und fokussiert es dadurch gezielt.
Frage 2 von 3

Welchen zweiten wichtigen Effekt hatte die Wasserfüllung für Handwerker?

Genau! Wasser absorbiert Infrarotstrahlung. Leder und empfindliche Materialien konnten nah an starken Lichtquellen bearbeitet werden.
Der Wärmefilter-Effekt: Wasser absorbiert Infrarotstrahlung und schützt temperatursensible Materialien vor der Lampenhitze.
Frage 3 von 3

Was verdrängte die Schusterkugel schließlich vom Arbeitsplatz?

Richtig! Zuerst verdrängten große Sammellinsen (u.a. Tschirnhaus) die Schusterkugel, dann machte elektrisches Licht sie vollständig unnötig.
Zwei Entwicklungen: Erst riesige Sammellinsen, dann elektrisches Licht. Ohne Elektrizität wäre die Schusterkugel wohl länger im Einsatz geblieben.
🏆

Sammlungsforscher!

Objektdokumentation gemäß ICOM Code of Ethics · Handwerksmuseum Ovelgönne · Inventar-Nr. HMO-O/1620 · Sammlung: Lederhandwerk

Unsere Sammlungsschwerpunkte

Wir sammeln nicht alles, aber wir sammeln mit System. Unsere Bestände gliedern sich in historische Kernbereiche, die das Leben in der Wesermarsch von früher bis heute abbilden.

Organisation & Ausbildung

Von der traditionellen Zunft bis zur modernen Innung: wie sich das Ausbildungswesen entwickelt hat und wie Handwerk früher organisiert und weitergegeben wurde.

Technikgeschichte

Die Entwicklung von Produktionstechniken und das Verhältnis zwischen ländlichem Handwerk und aufkommender Industrialisierung in der Wesermarsch.

Frauen im Handwerk

Die wichtige Rolle von Frauen in den historischen Gewerken, oft jenseits der offiziellen Meisterbriefe und Chroniken, aber unverzichtbar für das Gesamtbild.

Strukturgeschichte

Der Wandel in dörflichen und ländlichen Räumen: am Beispiel von Bader-Friseur und Kolonialwarenladen wird sichtbar, wie sich das Leben auf dem Land verändert hat.

Regionale Biografien

Persönliche Geschichten von Handwerkerinnen und Handwerkern sowie wichtigen Persönlichkeiten. Lebensläufe, die zeigen, wie Menschen ihren Alltag gestaltet und bewältigt haben.

Freizeit & Kultur

Fotografie, das historische Sängerzimmer und bürgerliche Hobbys: wie Kunst und Kultur auch in ländlichen Gemeinden immer wichtiger wurden.

Alltagsgeschichte

Das Leben der einfachen Menschen in der Wesermarsch: Wohnen, Essen, Arbeit und Feste. Objekte des täglichen Lebens erzählen Geschichten, die in keinem Schulbuch stehen.

Lokalgeschichte Ovelgönne

Die Geschichte der Gemeinde Ovelgönne als Spiegel der Region: von der Entstehung der Siedlungen bis zu den prägenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts.

Alleinstellungsmerkmal in der Wesermarsch

Offizielles Lehrmuseum der Universität Oldenburg

Wir sind das einzige offizielle Lehrmuseum des Instituts für Materielle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in der Wesermarsch. Studierende forschen, kuratieren und arbeiten direkt bei uns, nicht an der Uni, sondern mit echten Objekten in echten Räumen.

  • Wissenschaftliche Praxistage Studierende des Master-Studiengangs Museum und Ausstellung arbeiten ein volles Semester lang aktiv an konkreten Projekten bei uns mit und erleben echten Museumsbetrieb von innen.
  • Das Projekt Lehrmuseum Studierende konzipieren, kuratieren und realisieren vollständig eigenständige Ausstellungen direkt in unseren historischen Räumlichkeiten, mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut.
  • Das Museumspraktikum Wir binden Praktikantinnen und Praktikanten auf fachlicher Augenhöhe in alle wissenschaftlichen, kuratorischen und organisatorischen Bereiche ein, als vollwertige Mitglieder unseres Teams.
Zum pädagogischen Programm
Studierende arbeiten forschend im Museum

Kooperationen, die uns stärken

Wir arbeiten mit Wissenschaft, Verbänden, nationalen und internationalen Netzwerken zusammen: damit unsere Arbeit und Sammlung die Qualität bekommt, die sie verdient.

Ethische Grundsätze

ICOM Code of Ethics & Deutscher Museumsbund

Unsere gesamte Museumsarbeit, Sammeln, Bewahren, Dokumentieren und Ausstellen, orientiert sich an den Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes und am ICOM Code of Ethics, dem weltweit anerkannten ethischen Berufsstandard für Museen. So stellen wir sicher, dass unsere Arbeit internationalen Qualitätsansprüchen genügt.

Regionaler Verbund

Museumsverbund Wesermarsch & MVNB

Wir sind Gründungsmitglied des Museumsverbundes Wesermarsch und darüber hinaus Mitglied im Museumsverband für Niedersachsen und Bremen (MVNB). Beide Netzwerke stärken die regionale Museumslandschaft und verbinden uns mit Häusern in der gesamten Region.

Deine Geschichte zählt!

Drei Wege, wie du unsere lebendige Sammlung aktiv mitgestalten kannst.

Deine Erinnerung gehört dazu.

Geschichte schreiben nicht nur Bücher. Auf unserem Digitalen Mitmachboard teilst du Fotos, Erinnerungen und Wissen zur Wesermarsch, kommentierst Beiträge anderer und entdeckst neue Perspektiven. Jeder Beitrag macht unsere Sammlung lebendiger.

Zum Digitalen Mitmachboard

Hast du ein Objekt für uns?

Viele unentdeckte Schätze liegen noch auf Dachböden. Wenn du historische Werkzeuge, Werkstücke, Dokumente oder Fotos hast, die Ovelgönne oder die Wesermarsch berühren, sprich uns gerne an. Wir prüfen jede Schenkungsanfrage sorgfältig auf ihre historische Bedeutung.

Schenkung anfragen

Wissen & Recherche

Du forschst zur regionalen Handwerks- oder Alltagsgeschichte? Oder hast Fragen zu einem bestimmten Objekt in unserer Ausstellung? Wir helfen dir gerne weiter, mit detaillierten Auskünften aus unserem Archiv.

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Digitale Zeitreise

Die Türen des Museums sind geschlossen? Kein Problem. Entdecke unsere digitalen Angebote: barrierearme virtuelle Rundgänge, das historische Online-Archiv und hochauflösende 3D-Scans unserer wichtigsten Exponate.

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